Säulenpreis erklärt: Wofür Sie an der Zapfsäule wirklich bezahlen
Sie stehen an der Zapfsäule, der Zähler läuft — und am Ende zahlen Sie einen Preis, der sich kaum erklären lässt. Doch hinter dem Säulenpreis steckt eine klare Rechnung. Wer sie kennt, versteht, warum Treibstoff so viel kostet und an welcher Stelle sich überhaupt sparen lässt.
In diesem Beitrag schlüsseln wir den Säulenpreis Rappen für Rappen auf. Sie werden überrascht sein, wie wenig davon eigentlich der Treibstoff selbst ist — und an welcher einzigen Stelle Sie überhaupt einen Einfluss haben.
Die drei Bausteine des Säulenpreises
Grob lässt sich der Benzinpreis in drei Teile zerlegen. Nehmen wir als Beispiel einen Liter Benzin 95:
| Bestandteil | Anteil |
|---|---|
| Steuern und Abgaben | rund 51 % |
| Einkauf und Fracht | rund 31 % |
| Handelsspanne | rund 18 % |
Die wichtigste Erkenntnis daraus: Rund die Hälfte des Benzinpreises sind Steuern und Abgaben. Der Treibstoff selbst macht nur ein knappes Drittel aus. Wenn Sie also über einen hohen Benzinpreis stöhnen, ärgern Sie sich zur Hälfte über den Fiskus — nicht über die Tankstelle.
Wenn Sie tanken, bezahlen Sie zur Hälfte den Staat — und nur zu einem Drittel den eigentlichen Sprit.
Der grösste Posten: Steuern und Abgaben
Den Löwenanteil machen die Mineralölsteuer und der Mineralölsteuerzuschlag aus. Bei bleifreiem Benzin liegt dieser feste Betrag bei rund 76,82 Rappen pro Liter, bei Diesel sogar bei etwa 79,57 Rappen. Diese Abgaben sind fixe Beträge pro Liter und ändern sich nicht mit dem Marktpreis — egal, ob der Rohölpreis steigt oder fällt.
Das hat eine wichtige Folge: Selbst wenn der Treibstoff am Weltmarkt günstiger wird, sinkt der Säulenpreis nie unter eine bestimmte Schwelle. Der Steueranteil bleibt schliesslich gleich. Wie viel der Staat dabei genau einnimmt, lesen Sie im Beitrag Mineralölsteuer & Co..
Ein verbreiteter Irrtum: Viele glauben, auf Benzin laste eine CO2-Abgabe. Das stimmt nicht. Die CO2-Abgabe betrifft nur Brennstoffe wie Heizöl, nicht Treibstoffe wie Benzin oder Diesel. Wer das Gegenteil behauptet, irrt.
Einkauf, Fracht und Marge
Etwa ein Drittel des Preises entfällt auf den Einkauf des Rohprodukts und die Fracht. Dieser Teil schwankt mit dem Weltmarkt — und genau deshalb bewegt sich der Benzinpreis manchmal von Woche zu Woche spürbar. Rohölpreis, Wechselkurs des Frankens und die Lage auf den internationalen Märkten spielen hier zusammen. Welche Treiber im Einzelnen dahinterstecken, erklärt der Beitrag Warum schwankt der Benzinpreis?.
Den Rest bildet die Handelsspanne der Tankstellen. Sie deckt Betrieb, Personal, Standortmiete und Logistik — und ist je nach Standort und Marktlage unterschiedlich hoch. Eine Autobahnraststätte kalkuliert anders als eine Dorftankstelle, weshalb der Preis dort oft 3 bis 5 Rappen höher liegt. Mehr dazu im Beitrag Autobahnraststätte vs. Dorftankstelle.
~51 % des Benzinpreises bestehen aus Steuern und Abgaben.
Diesel und Benzin im Vergleich
Wer schon einmal beide Preise verglichen hat, weiss: Diesel ist je nach Marktlage teurer oder günstiger als Benzin. Das liegt nicht nur am Einkauf, sondern auch an der unterschiedlich hohen Besteuerung pro Liter. Wer überlegt, ob sich für ihn Diesel oder Benzin lohnt, findet die Antwort im Beitrag Diesel oder Benzin.
Wo Sie tatsächlich sparen können
Steuern und Einkaufspreis liegen ausserhalb Ihres Einflusses. Was Sie sehr wohl beeinflussen können, ist der Endbetrag, den Sie zahlen. Eine Tankkarte gibt Ihnen einen Rabatt auf den angeschriebenen Säulenpreis — 4 Rappen pro Liter für Private, bis zu 6 Rappen für Firmen.
Warum der Preis nie auf null fällt
Gerade weil Steuern und Einkauf den grössten Teil ausmachen, kann der Säulenpreis nie beliebig tief sinken — selbst in Phasen mit billigem Rohöl bleibt ein hoher Sockel bestehen. Der einzige Hebel, den Sie selbst in der Hand haben, ist der Rabatt auf den Endpreis. Genau dort setzt eine Tankkarte an.
Wie Sie den Effekt berechnen
Nehmen wir an, Sie tanken im Jahr 1’600 Liter. Bei 4 Rappen Rabatt pro Liter sind das 64 Franken, bei 6 Rappen für Firmen sogar 96 Franken — Jahr für Jahr, ganz ohne Mehraufwand. Wer mehr fährt, spart entsprechend mehr. Diese Rechnung lässt sich auf jede Fahrleistung übertragen, und sie geht immer auf.
Wollen Sie sehen, wie sich Ihre Kosten über das Jahr verteilen? Spielen Sie mit dem Rechner unter dem Artikel ein paar Szenarien durch.
Den grossen Überblick zum Thema Sparen finden Sie im Tankkarten-Ratgeber. Und wer direkt loslegen will, vergleicht die Karten in der Tankkarten-Übersicht.
Warum der Preis von Tankstelle zu Tankstelle schwankt
Wenn rund die Hälfte des Preises aus festen Steuern besteht und ein weiteres Drittel vom Weltmarkt abhängt, bleibt für Unterschiede zwischen den Tankstellen vor allem die Handelsspanne. Genau hier entstehen die Preisunterschiede, die Sie beim Vorbeifahren bemerken. Eine günstig gelegene Dorftankstelle mit tiefen Betriebskosten kann den Liter etwas günstiger anbieten als eine Autobahnraststätte mit hoher Miete und langen Öffnungszeiten.
Für Sie heisst das: Es lohnt sich, beim Tanken auf den Standort zu achten — und den Endpreis zusätzlich mit einer Tankkarte zu drücken. So nutzen Sie den einzigen Spielraum, der Ihnen bleibt, gleich doppelt aus. Eine günstig gelegene Station plus der Karten-Rabatt ergibt unter dem Strich den tiefsten Preis, den Sie als Konsumentin oder Konsument erreichen können — alles andere ist durch Steuern und Weltmarkt fix vorgegeben.
Wer das Prinzip einmal verstanden hat, ärgert sich beim nächsten hohen Benzinpreis weniger und handelt stattdessen: aufmerksam tanken, Standort wählen, Rabatt sichern. Den grossen Überblick dazu liefert der Tankkarten-Ratgeber Schweiz.
Den Säulenpreis können Sie nicht erfinden — aber Sie können clever genug tanken, um nicht mehr als nötig zu zahlen.
Häufige Fragen
Woraus setzt sich der Säulenpreis zusammen?
Grob aus drei Teilen: rund die Hälfte Steuern und Abgaben, etwa ein Drittel Einkauf und Fracht und der Rest Handelsspanne.
Wie viel vom Benzinpreis sind Steuern?
Bei Benzin liegen Steuern und Abgaben bei rund 51 Prozent — also etwa die Hälfte des Säulenpreises.
Zahlt man auf Benzin eine CO2-Abgabe?
Nein. Die CO2-Abgabe gilt nur für Brennstoffe wie Heizöl, nicht für Treibstoffe wie Benzin oder Diesel.
Wie kann ich den Säulenpreis für mich senken?
Den Steuer- und Einkaufsanteil können Sie nicht beeinflussen, wohl aber den Endpreis: Mit einer Tankkarte erhalten Sie einen Rabatt auf den angeschriebenen Preis.